Bayerischer Landesverband Psychiatrie-Erfahrener e.V.


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Pharmaindustrie

Weltweit verdienen die großen Pharmakonzerne an der Behandlung psychischer Krankheiten zweistellige Milliarden-Summen, während für öffentliche Gesundheitsforschung nur Brosamen abfallen. Die Forschung der Konzerne ist immens, aber nicht zum Ziel der Gesundung des Patienten, sondern zum Verkauf neuer teurerer Medikamente. Das wird auch in ihren Geschäftsberichten deutlich: Da spricht man von einem robusten Wachstum der Psychopharmaka-Sparte, da wird die Performance eines Produkts gelobt, aber auch geklagt, dass Patent-Verluste zu Umsatzeinbrüchen führen - deshalb ist es (für die Gesundung des Konzerns) wichtig, dass der Patient "noch früher behandelt" werden muss - natürlich mit dem Neuesten und Besten, für das man das 20-fache gegenüber klassischen Mitteln verlangen kann.

Das Budget der Krankenkassen wird durch die Verschreibung von solch neueren Medikamenten enorm belastet. Fast jährlich steigen die Beitragssätze der gesetzlichen Versicherung, was wiederum zu einem enormen Kaufkraftverlust der Bevölkerung führt. Es ist eine Bankrottspirale, die durchbrochen werden muss. Aber die Pharmakonzerne haben nur im Sinn, einen höchstmöglichen Marktpreis für ihr neues Mittel herauszuschlagen - wo bleibt da ihre soziale und ethische Verantwortung, von der sie gerne reden?

Natürlich ist Pharmaforschung wichtig und viele Betroffene sind auf ihre Medikamente angewiesen und auch darauf, dass ihre Krankenversicherung diese Mittel bezahlt. Aber macht man es sich nicht zu einfach, wenn man sagt: Einfach die Pillen einwerfen und schon bist du geheilt? Dem ist mitnichten so. Auch gibt es bei dem einen oder anderen Patienten erhebliche Nebenwirkungen, und nicht nur bei den klassischen Medikamenten. Psychopharmaka haben auch nach ärztlicher Erfahrung keine kurative, d.h. keine heilende Wirkung. Größtmögliche Heilung und die Lösung der persönlichen Probleme ist trotzdem möglich, verlangt dem Betroffenen jedoch einiges ab.

Wichtig für eine Gesundung ist die Frage nach den Hintergründen der Erkrankung, nach der seelischen Basis. Dass es nur allein eine Stoffwechselstörung wäre, ist ein schönes Ärztemärchen, um leichter die Medizin verordnen zu können. Damit verbunden, wäre eine psychotherapeutische Beratung oder Behandlung der betroffenen Patienten vielfach sinnvoll und nützlich. Schon allein eine Verhaltenstherapie, eine Entwicklung von Bewältigungsstrategien im Alltag, kann enorm helfen. Man muss ja nicht jeden Schmutz der Vergangenheit wieder hervorkramen.

Genauso kann der Austausch unter Betroffenen, der gegenseitige Kontakt und private Hilfestellung in Krisenfällen ein wichtiges Element der Stabilisierung sein. Durch die Selbsthilfe der Patienten wird die gesellschaftliche Isolierung durchbrochen, das öffentliche Stigma, das vielen psychischen Krankheiten anhaftet.

Vor diesem Hintergrund zu behaupten, nur mit einem neuen Medikament wird sich die Lage der Patienten bessern, oder sogar zu fordern, gefährdete Jugendliche und Kinder sollten schon prophylaktisch ein Mittel einnehmen, klingt sehr unglaubwürdig. Wenn ich mir eine gute, gesunde Vollmilch im Geschäft für 79 Cent kaufe, tue ich etwas für meine Gesundheit und für die Milchbauern. Wenn jetzt aber eine Molkerei daherkäme und behauptete, es gäbe eine neue, gentechnisch produzierte Milch, von gentechnisch veränderten Kühen, die viel, viel gesünder wäre als die alte Milch und, nun ja, wegen der Gentechnik jetzt 20 EUR pro Liter kosten würde, was würde man dazu sagen? Und würde mir mein Arzt solche Milch verschreiben? Vermutlich nicht.

jle