Bayerischer Landesverband Psychiatrie-Erfahrener e.V.


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Ausnahmezustände der Seele

  • Die Belastungen des Lebens

    Das Leben ist nicht immer nur eitel Sonnenschein, das hat jeder von uns schon erfahren. Man hatte Liebeskummer, Ärger mit den Eltern oder die Schule war eine einzige Plage. Später kommen noch die Belastungen der Arbeitswelt hinzu: ein cholerischer Chef, mobbende Kollegen und Überstunden ohne Ende. Bei manchen Menschen ist das Fass irgendwann voll, und er oder sie wird dann krank - oft psychisch krank.

    Es gibt die verschiedensten Krankheitsbilder der Seele: Andauernde Überforderung und chronischer Stress kann zu einer Depression führen. Schwere seelische Erschütterung, ein ungesundes soziales Klima, verbunden mit der Ignorierung der eigenen Bedürfnisse kann den Menschen schleichend oder auch plötzlich von der Realität entrücken. Mißbrauch in der Kindheit führt oft zu Störungen des Empfindens und ein zu hoher Anspruch an die eigene Person kann den Betroffenen zwischen Manie und Depression schwanken lassen. Und schließlich gibt es noch die Probleme mit Alkohol und anderen Drogen, die häufig zu einer Suchterkrankung führen.

  • Die häufigsten Krankheiten

    • Die Depression

      Depressive Menschen sind nicht nur niedergeschlagen oder traurig. Sie sind gefesselt in ihren eigenen, meist negativen, Gedanken, die sie derart lähmen, dass sie meist nur im Bett liegen und nur sehr quallvoll die alltäglichen Verrichtungen erledigen können. Dabei wünschen sie sich nichts sehnlicher, als das dieser Zustand vorüber ginge, haben aber selbst wenig Hoffnung und sehen kein Licht am Ende des dunklen Tunnels. Wie so etwas enden kann, konnte man 2009 in den Medien lesen: Der Nationaltorwart Enke nahm sich das Leben.

      Doch jede Depression geht wieder vorüber! Sei es durch Medikamente, ein Verringern oder Wechseln der Belastungen, durch einen Wechsel des Aufenthaltsortes, durch Sport oder sie geht einfach von selbst wieder weg. Man darf die Hoffnung nicht verlieren!

    • Die bipolare Störung

      Wenn ein Mensch rastlos ohne Ende ist, ständig neue Ideen hervorsprudeln, sich rücksichtslos und verletzend verhält, vom Kaufrausch befallen ist und sich doch dabei so gesund und kräftig fühlt, dass jede kleinste Kritik ihn in Wallung bringt - dann hat er oder sie offenbar eine Manie.

      Die Manie erlebt der Betroffene als eine Hoch-Zeit, noch nie habe er sich so gut gefühlt, endlich sei alle Krankheit von ihm verschwunden, aber er sieht nie das bittere Ende: die finanzielle Verschuldung, gekränkte Partner und Arbeitskollegen, vielleicht sogar zerbrochene Beziehungen und schließlich durch die Erschöpfung der Kräfte, der Rückfall in die Depression.

      Der Wechsel zwischen diesen beiden Extremen kann mehrmals jährlich erfolgen, ja sogar mehrmals im Monat: Dann spricht man von "Rapid Cycling". Wenn der Wechsel - switch - sogar täglich erfolgt, spricht man von einem Mischzustand. Durch sogenannte Phasenprophylaktika wie Lithium oder Lamotrigin soll dem Betroffenen dieser oft sehr belastende Wechsel zwischen den Hochs und Tiefs erspart werden. Es gibt aber auch Menschen, die genießen ihre Höhenflüge, sind voller Schaffensdrang und wollen gar nicht von Medikamenten ruhiggestellt werden, zumal wenn die depressiven Phasen für sie erträglich sind. Bei anderen Betroffenen überwiegen hingegen die depressiven Phasen und ein euphorischer Zustand ist kaum ausgeprägt.

    • Die Schizophrenie

      Die Psychosen aus dem schizophrenen Formenkreis (so drücken sich die Mediziner aus) sind äußerst vielgestaltig, der Verlauf kann sehr variieren von Mensch zu Mensch. Oft geht der Erkrankung ein Vorstadium voraus, in dem der Betroffene sehr zurückgezogen ist und kaum sozialen Kontakt hat oder sucht. Dabei hat dieser Mensch mit schweren inneren Problemen zu kämpfen, die er jedoch mitzuteilen nicht bereit ist.

      Schließlich ist irgendwann ein Point-of-no-Return erreicht, in dem das Gedankenräderwerk zur Produktion von Erleuchtungen und Halluzinationen übergeht. Der Betroffene bekommt Größenideen, aber es plagen ihn auch bestimmte wirklich spürbare Symptome, die er oder sie als Beeinträchtigung von außen erlebt. Der Mensch fühlt sich dann verfolgt und überwacht, mit dem Tode bedroht. Er flieht dann womöglich Hals über Kopf aus seiner Wohnung, glaubt den Angehörigen kein Wort mehr und kann die seltsamsten Dinge anstellen, bis hin zu einem (gar nicht beabsichtigten) Suizid, der auf irgendwelchen Wahnideen beruht, z.B. " ... ich kann diesen Zug mit der Kraft meiner Gedanken stoppen!"

      Es ist offensichtlich, dass ein solcher Mensch Hilfe braucht. Doch wie das geschieht, ist auch eine Frage der Menschenwürde. Dem Kranken müssen nicht die Arme verdreht werden, man muss ihn nicht stundenlang - ohne Fürsorge - gefesselt im Bett lassen, in dem er seine Notdurft machen muss. Man muss ihn nicht hochdosiert "herunterspritzen", ihn zum lebenden Zombie machen. Viele Beispiele zeigen, dass es auch humaner in einer medizinischen Behandlung zugehen kann. Die verantwortlichen Pflegekräfte müssen nur wollen und etwas Emphatie zeigen.

    • Die Sucht

      Ein Gläschen in Ehren kann niemand verwehren! Nur: Aus einem Glas werden zwei, aus zwei Gläsern werden zwei Flaschen und wenn man es keinen Tag mehr ohne einen Tropfen aushält, darf man sich langsam schon die Frage stellen: Bin ich süchtig?

      Der Alkohol ist ein großes Thema, nicht nur in der Allgemeinbevölkerung, auch die psychisch Kranken sind stark davon betroffen. Niemand hat etwas gegen eine gesellige, fröhliche Runde oder mal ein Glas Bier oder Wein am Abend. Wenn man aber nur noch aus Gewohnheit trinkt, gar aus Frust oder Langeweile, dann ist die Abhängigkeit nicht weit. Oft sind es gerade psychische Probleme, die den Menschen zum Alkohol oder zu anderen Drogen greifen lassen. Am Ende hilft nur noch ein Entzug in der Klinik und die spätere völlige Abstinenz, weil sich in Folge des Mißbrauchs das Gehirn verändert hat, so dass selbst der Gedanke an ****** den Suchtreflex auslösen kann.

  • Zusammenfassung

    Die Belastungen und Kümmernisse im Leben sind vielfältig. Dem nicht genug, sind sie oft mit ein Auslöser für verschiedene Arten von psychischen Krankheiten wie z.B. der Depression oder der Schizophrenie. Eine stationäre Behandlung der Betroffenen wird oft wegen einer nicht auszuschließenden Suizidgefahr angeordnet. Meistens wird medikamentös behandelt, aber auch bestimmte Formen von Psycho- oder Ergotherapien werden angewandt, oder manchmal wirkt einfach auch der soziale Kontakt im Krankenhaus am besten für eine Gesundung. Nach der Entlassung erfolgt eine Überweisung zum ambulanten Spezialisten, der sich dann weiter (mehr oder weniger intensiv) um die Behandlung kümmert.

jle

Foto: © Daniel Rennen pixelio.de